MethodikArchitekten und Bauherren

Multibrennstoffkessel in der Schweiz: Preissicherung ab dem Vorprojekt

Wie Architekten und Bauherren in der Schweiz die Brennstoffflexibilität ab dem Vorprojekt nutzen, um Heizkosten gegen Preisschwankungen abzusichern.

Aktualisiert am 17. Oktober 2026·4 Min. Lesezeit

Wie federt ein Multibrennstoffkessel Preisschocks ab?

Ein Multibrennstoffkessel verarbeitet mindestens zwei Biomassebrennstoffe — typischerweise Pellets und Hackschnitzel, ergänzt um Stückholz. Diese Vielfalt erlaubt, auf Preisbewegungen zu reagieren, ohne in die Anlage oder die Gebäudehülle einzugreifen.

In der Schweiz, wo ENplus-A1-Pellets breit verfügbar sind, wird die Multibrennstoffoption zur strategischen Absicherung: Das Gebäude bleibt normkonform und leistungsfähig, unabhängig von Preisausschlägen bei fossilen Energieträgern.

  • Pellets ENplus A1 (Handbuch ENplus 3.0, Teil 3): Durchmesser 6 ± 1 oder 8 ± 1 mm, Länge 3,15 bis 40 mm, Aschegehalt ≤ 0,7 %, mechanische Festigkeit ≥ 98 %, Heizwert ≥ 4,6 kWh/kg.
  • Hackschnitzel und Stückholz: lokale Brennstoffe, abhängig von Feuchte und Lieferlogistik.
  • Bivalenz mit fossilem Backup: nur als Übergangslösung, um die Marktabhängigkeit zu begrenzen.

Welche technischen Randbedingungen gehören ins Vorprojekt?

Multibrennstoff bedeutet zwei Silos (oder ein kompatibles Silo), zwei Lieferlogistiken und eine Ascheentsorgung je Brennstoff. Die EU-Verordnung 2015/1189 schreibt seit dem 1. Januar 2020 einen saisonalen Wirkungsgrad von mindestens 75 % bis 20 kW und 77 % darüber vor, mit strengen Emissionsgrenzwerten — insbesondere 200 mg/m³ NOx für Biomassekessel.

Architektonisch schlägt sich das in einem grösseren Technikraum, einer Lkw-befahrbaren Zufahrt und einer konformen Lüftung nieder. Diese Volumen ab dem Vorprojekt zu sichern, verhindert Dossier-Umplanungen und erhält die Förderfähigkeit.

  • Silo auf den volumenintensivsten Brennstoff auslegen, damit die Autonomie über das ganze Jahr gesichert ist.
  • Zentrale Ascheaustragung und freien Wartungszugang vorsehen.
  • Lokale Brennstoffqualität gegen die Emissionsgrenzwerte prüfen (Partikel 40 mg/m³ bei automatischer Beschickung).

Welche kantonalen und nationalen Beiträge stehen bereit?

Das Gebäudeprogramm — Holzheizungen fördert automatische Anlagen ≤ 70 kW; die Beträge werden kantonal festgelegt und ausbezahlt. Stets den Tarif des betroffenen Kantons verifizieren. Die Installationskosten und die tatsächlich geltenden Förderungen berechnet Pierre Jamart in der kostenlosen persönlichen Studie.

  • Gebäudeprogramm: kantonaler Betrag, automatische Förderfähigkeit bei Erfüllen der technischen Voraussetzungen.
  • Klimaprämie KliK: vorgängige Anmeldung zwingend, mit Kantonsbeiträgen kombinierbar.
  • Offizieller Simulator des Gebäudeprogramms für eine erste Schätzung vor der Offerte.

Drei Beschlüsse, die im Vorprojekt fallen müssen

Drei Entscheidungen kosten in der Vorprojektphase nichts und fixieren den wirtschaftlichen Nutzen über die gesamte Lebensdauer der Anlage.

  • Priorisierte Brennstoffliste je nach regionalem Angebot festlegen (ENplus-A1-Pellets, trockene Hackschnitzel, Stückholz) und in der Vorprojektnotiz fixieren.
  • Silo und Lieferzufahrt auf den volumenintensivsten Brennstoff auslegen (ENplus-A1-Pellets: Schüttdichte 600 bis 750 kg/m³).
  • Anmeldung Klimaprämie und kantonales Fördergesuch vor der Materiallieferung einreichen.

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