CO2-Bilanz Biomasse vs. Öl und Gas: Was beim Schweizer Neubau wirklich zählt
CO2-Fussabdruck Biomasse, Öl und Gas im Vergleich für Schweizer Neubauten. EcoDesign, EN 303-5 Klasse 5 und kantonale Förderungen im Überblick.
Warum unterscheidet sich die CO2-Bilanz zwischen Biomasse und fossil so stark?
Holz gibt nur den Kohlenstoff frei, den der Baum während seines Wachstums gebunden hat – ein kurzer, biogener Kreislauf. Öl und Gas hingegen verbrennen Kohlenstoff, der seit Millionen Jahren unter der Erde lagert. Der Bund stuft Schweizer Holz in den offiziellen Energiebilanzen daher als CO2-neutral ein.
Pro kWh Nutzwärme stösst Heizöl rund 0,27 kg fossiles CO2 aus, Erdgas etwa 0,20 kg. Eine sauber eingestellte Pelletheizung mit ENplus-Qualität landet netto zwischen 0,01 und 0,05 kg CO2 pro kWh – das zeigen Auswertungen von ADEME und IEA Bioenergy.
Welche Zahlen gelten konkret für einen Schweizer Neubau?
Nehmen wir eine Minergie-Villa, 150 m², 20 kW. Der Jahresverbrauch liegt bei etwa 18 000 bis 20 000 kWh. Mit Öl sind das 4,8 bis 5,4 Tonnen fossiles CO2 pro Jahr. Mit ENplus-Pellets sinkt die Netto-Bilanz auf 0,2 bis 0,7 Tonnen – Faktor 8 bis 10.
Über 20 Jahre summiert sich die Differenz auf deutlich über 90 Tonnen CO2. Genau diese Zahl landet im SIA-2032-Nachweis und entscheidet häufig über die Minergie-Labelvergabe.
- Minergie-Villa 150 m², 20 kW, ca. 20 000 kWh/Jahr.
- Öl: ~5 t CO2/Jahr. ENplus-Pellets: ~0,5 t CO2/Jahr.
- Einsparung über 20 Jahre: > 90 t fossiles CO2.
Wie sichern Sie die Wahl schon ab Vorprojekt?
Drei technische Stellschrauben gehören zwingend ins Pflichtenheft: EcoDesign-Konformität (EU 2015/1189), Klasse 5 nach EN 303-5 und ENplus-zertifizierte Pellets. Fehlt auch nur ein Punkt, kann der Lieferant eine Heizung verkaufen, die nur auf dem Papier sauber ist.
Beim Sizing gilt: Nennleistung leicht unter den berechneten Verlusten (SIA 384/2) ansetzen, kombiniert mit einem Pufferspeicher von 30 bis 50 L/kW. Die Verbrennung stabilisiert sich, die Takthäufigkeit sinkt und der reale Wirkungsgrad – und damit auch die gemessene CO2-Bilanz – verbessert sich.
- EcoDesign + EN 303-5 Klasse 5 + ENplus-Pellets im Leistungsvertrag festschreiben.
- Leicht unterdimensionieren + Pufferspeicher 30–50 L/kW.
- Belüfteter Heizraum, Silozugang und VKF-konformer Rauchrohranschluss vorsehen.
Welche Förderungen bringen die Wirtschaftlichkeit ins Lot?
Das Gebäudeprogramm des Bundes fördert automatische Holzheizungen explizit. Im Kanton Waadt (Beitrag M-03) sind es bis CHF 8'500 für Anlagen ≤ 70 kW unter 20 kW oder im Einfamilienhaus, sonst CHF 4'500 + CHF 200/kW. Genf (GEnergie) gibt CHF 3'000 + CHF 50/kW, plus CHF 1'000 bei zertifiziertem Wärmezähler. Beträge variieren je nach Kanton – vor Gesuchseinreichung prüfen.
Die Klimaprämie der Stiftung KliK ergänzt das Bild: rund CHF 1.80 pro eingespartem Liter Öl oder m³ Gas, ohne Obergrenze. Die Anmeldung auf foerderplattform.ch muss vor der Bestellung erfolgen. Bei einer 20-kW-Villa deckt die Kombination typischerweise 25 bis 40 % der Mehrkosten gegenüber Öl – oft das Zünglein an der Waage für die Bauherrschaft.
- Waadt M-03: bis CHF 8'500 (≤ 20 kW oder EFH).
- Genf: CHF 3'000 + CHF 50/kW + CHF 1'000 Wärmezähler.
- KliK: ~CHF 1.80 / L Öl, ohne Obergrenze.
- Anmeldung VOR Bestellung; kantonalen Tarif auf leprogrammebatiments.ch prüfen.
Quellen
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