MethodikFür Architekten

Biomasse-KWK >70 kW in der Schweiz: 4 APS-Reflexe für Industrie und Dienstleistung

Industrie- oder Dienstleistungsstandort >70 kW: Biomasse-KWK und Holzkessel ab der Vorprojektphase vergleichen. Kantonale Förderungen, KliK und Normen 2026.

Aktualisiert am 2. August 2026·5 Min. Lesezeit

Biomasse-KWK >70 kW: Für welche Standorte in der Schweiz?

Eine Biomasse-KWK-Anlage erzeugt gleichzeitig Wärme und Strom aus Pellets, Hackschnitzeln oder Holzabfällen. In der Schweiz wird sie ab etwa 70 kW Wärmebedarf und einem stabilen Lastprofil interessant — etwa bei Industrieprozessen, tertiärer Heizwärme oder zentraler Warmwasserbereitung.

Für Architekten und Bauherren ist sie ein Hebel zur industriellen Dekarbonisierung, der sich dank der Stromeinspeisung schneller amortisiert.

  • Relevanzschwelle: >70 kW stabile, kontinuierliche Wärmelast
  • Doppelte Nutzung: Wärme + Strom (ca. 8-15 % elektrischer Wirkungsgrad)
  • Ideale Profile: Prozesswärme, Lebensmittelindustrie, Schwimmbäder, Spitäler, Rechenzentren, grosse Dienstleistungsbauten

4 Entscheidungen in der Vorprojektphase

Die Vorprojektphase (APS) entscheidet über die Wirtschaftlichkeit. Vier strukturelle Weichenstellungen sind vor der Baueingabe zwingend zu treffen.

  • Brennstoff nach Logistik wählen: ENplus-Pellets im städtischen Raum, Hackschnitzel bei Lieferantenradius 50-100 km
  • Biomasse auf 80-90 % des Jahresbedarfs auslegen, fossil nur als Spitzenlast und Reserve
  • Heizraum nach EU-Verordnung 2015/1189 (EcoDesign) und EN 303-5 Klasse 5 planen
  • Stromanschluss, Einspeisevertrag und zertifizierten Wärmemengenzähler frühzeitig sichern

Förderungen in der Schweiz richtig kombinieren

In der Schweiz ergänzen sich zwei Finanzierungshebel für eine industrielle Biomasse-KWK. Das Programm Gebäude — Holzheizungen fördert diese Technologie ausdrücklich, die Beträge werden aber kantonal festgelegt und ausbezahlt. Die Klimaprämie von Energie Zukunft Schweiz / Stiftung KliK entschädigt mit rund CHF 1.80 pro Liter Heizöl, ohne Obergrenze — ein klarer Vorteil für grosse Anlagen.

  • Programm Gebäude: Beträge je Kanton (z. B. Waadt M-03, Genf) — stets den aktuellen kantonalen Tarif prüfen
  • Klimaprämie KliK: rund CHF 1.80 pro Liter Heizöl oder m³ Gas eingespart, ohne Obergrenze
  • Anmeldung zwingend VOR Kauf oder Bestellung der Anlage
  • Exakten Betrag mit dem offiziellen Simulator des Programms Gebäude berechnen

Welche kritischen Punkte sichern die Vorprojektphase?

Drei technische Punkte blockieren oft die Dossiers, wenn sie in der APS-Phase vernachlässigt werden. EN 303-5 Klasse 5 und die EU-Verordnung 2015/1189 setzen Emissions- und Wirkungsgradgrenzwerte, die moderne automatische Anlagen erfüllen — die aber im Datenblatt explizit verlangt werden müssen. Der Heizraum braucht ein Silo für 3-5 Tage Winterautonomie. Und die Beschaffungsstrategie bestimmt die Versorgungssicherheit über 10-20 Jahre.

  • Konformität mit EN 303-5 Klasse 5 und EcoDesign (EU-Verordnung 2015/1189) im Datenblatt verlangen
  • Silo für 3-5 Tage Winterautonomie dimensionieren
  • ENplus-Pellets oder Hackschnitzel über 10-20 Jahre vertraglich absichern

Brauchen Sie persönliche Beratung?

Unser Team unterstützt Sie bei Auswahl, Dimensionierung und Förderantrag.

Anrufen +352 661 309 000Angebot 24h