Biomasse-KWK >70 kW in der Schweiz: 4 APS-Reflexe für Industrie- und Dienstleistungsstandorte
Biomasse-KWK >70 kW in der Schweiz: 4 APS-Reflexe für Architekten und Bauherren. Förderungen, Normen, Dimensionierung.
Biomasse-KWK oder klassischer Holzkessel: Was wählt man bereits in der APS?
Ein Industrie- oder Dienstleistungsstandort braucht oft gleichzeitig Wärme und Strom. Eine Biomasse-KWK-Anlage erzeugt beides aus demselben Brennstoff, mit einem Gesamtwirkungsgrad über 85 %. Ab rund 70 kW wird sie interessant, sobald das Verhältnis Wärme zu Strom über das Jahr stimmt.
Ein automatischer Holzkessel liefert dagegen nur Wärme, ist aber günstiger in der Anschaffung und einfacher im Betrieb. Die Wahl hängt vom tatsächlichen Lastprofil ab, nicht allein von der Nennleistung auf dem Angebot.
Wie wird die Anlage ab der APS dimensioniert?
Erster Reflex: die Jahreswärmebilanz über 12 Monate UND das Stundenprofil eines typischen Tages rekonstruieren. Ohne diese beiden Kurven wird jede Dimensionierung zum Blindflug. Ebenso die Abwärmequellen vor Ort prüfen – Druckluft, Kühlwasser, Prozessabgase: Diese kostenlose Wärme verändert die Projektwirtschaft.
Drittens die Technologie nach der Grösse wählen – Verbrennungsmotor bis etwa 500 kWe, Dampfturbine oder ORC darüber, mit elektrischen Wirkungsgraden zwischen 15 und 30 %. Letzter Punkt: die Brennstoffbeschaffung sichern (ENplus-Pellets, Hackschnitzel, Grüngut) mit realistischem Lieferradius und idealerweise Rahmenvertrag über mehrere Jahre.
Welche kantonalen und nationalen Förderungen gibt es in der Schweiz?
Das Programm Gebäude fördert Holzwärme explizit, mit Beträgen, die jeder Kanton festlegt. Vor jeder Berechnung das kantonale Merkblatt prüfen: der Tarif unterscheidet sich je nach Kanton und Leistungsbereich.
- Waadt (M-03, automatisch ≤ 70 kW): CHF 8 500 bei < 20 kW oder Einfamilienhaus, sonst CHF 4 500 + CHF 200/kW.
- Genf (≤ 70 kW): CHF 3 000 + CHF 50/kW, plus CHF 1 000 für einen zertifizierten Wärmezähler.
- Klimaprämie (Energie Zukunft Schweiz / Stiftung KliK): rund CHF 1.80 pro eingespartem Liter Heizöl oder m³ Gas, ohne Plafond. Anmeldung VOR Kauf oder Bestellung.
Welche APS-Reflexe verhindern blockierte Bewilligungen?
Vier Punkte blockieren in der Praxis die Baubewilligung: EcoDesign-Konformität (EU-Verordnung 2015/1189), Emissionsklasse EN 303-5, Brennstoffzertifizierung (ENplus für Pellets) und Schallschutz im Aufstellraum.
- Lärm: Schallstudie bereits in der APS, nicht erst nach der Einreichung.
- Abgase: Kamin-Dimensionierung und Abgasbehandlung gemäss EN 303-5.
- Brennstoff: ENplus oder gleichwertig im Pflichtenheft vorschreiben, um die Versorgungsqualität zu sichern.
- Bewilligung: EcoDesign-Anforderungen vor der Prüfung klären, nicht erst auf der Baustelle.
Quellen
Brauchen Sie persönliche Beratung?
Unser Team unterstützt Sie bei Auswahl, Dimensionierung und Förderantrag.