MethodikFür Architekten

CO₂-Bilanz Biomasse vs. Öl/Gas: im APS beziffern und Neubauprojekte umstellen

Konkrete CO₂-Bilanz Holz vs. fossil in der Schweiz: Grössenordnungen, kantonale Förderung und APS-Reflexe für Architekten.

Aktualisiert am 24. Juli 2026·5 Min. Lesezeit

Wie viel CO₂ spart man wirklich mit Holz statt Öl oder Gas?

Holz gibt bei der Verbrennung das CO₂ ab, das der Baum im Wachstum aufgenommen hat: Man spricht von CO₂-Neutralität am Feuerungsort. Heizöl und Gas hingegen setzen fossilen Kohlenstoff frei, der über Millionen Jahre gebunden war.

Beim gleichen Wärmebedarf sinkt der Emissionsfaktor von rund 320 g CO₂eq/kWh (Heizöl) bzw. 230 g CO₂eq/kWh (Erdgas) auf unter 50 g CO₂eq/kWh im Lebenszyklus für ENplus-A1-Pellets. Gegenüber Öl entspricht das Faktor 8 bis 10.

  • Heizöl: ~320 g CO₂eq/kWh Nutzwärme (ADEME).
  • Erdgas: ~230 g CO₂eq/kWh Nutzwärme (ADEME).
  • ENplus-A1-Pellets: < 50 g CO₂eq/kWh im Lebenszyklus (Verbrennung fast neutral).
  • Lokale Holzscheite (< 20 % Feuchte): niedrigste Lebenszyklus-Bilanz.

Welche Zahlen gehören in das Projektdossier?

Die CO₂-Bilanz gehört bereits ins APS – dort entscheidet die Bauherrschaft zwischen Grauer Energie, Betrieb und Immobilienwert. Die Normen SIA 2032/2031 und das BFE-Tool KOBRA liefern den offiziellen Schweizer Rahmen.

Stellen Sie drei Szenarien (Öl, Gas, Biomasse) mit denselben Annahmen gegenüber: Jahreswärmebedarf in kWh, gewählter Emissionsfaktor, Lebensdauer. So wird das CO₂-Delta über 20 Jahre lesbar und verteidigbar.

  • Jahreswärmebedarf aus der SIA-380-Berechnung übernehmen.
  • BFE/KOBRA-Faktor für Heizöl und Erdgas anwenden.
  • ENplus-A1-Faktor (< 50 g CO₂eq/kWh) für importierte Pellets einsetzen.
  • Herkunft und Feuchte von Scheitholz/Hackschnitzeln dokumentieren.

Welche Förderungen machen die Wirtschaftlichkeit attraktiv?

Zwei Hebel greifen ineinander: eine kantonale «Holz-Forfait»-Subvention aus dem Programm Bâtiments und die eidgenössische Klima-Prämie KliK. Bei einem mittleren Projekt decken sie einen spürbaren Teil der Mehrinvestition.

Die Beträge werden vom Kanton festgelegt und ausbezahlt. Beispiel Waadt (M-03, automatische Holzheizung ≤ 70 kW): CHF 8 500 für Anlagen < 20 kW oder Einfamilienhäuser, sonst CHF 4 500 + CHF 200/kW. Genf (≤ 70 kW): CHF 3 000 + CHF 50/kW, zuzüglich CHF 1 000 bei zertifiziertem Wärmezähler.

  • Programm Bâtiments: kantonale Forfaits (M-02 Stückholz/Pellets mit Speicher, M-03 automatisch).
  • Klima-Prämie KliK: ca. CHF 1.80 pro Liter Öl bzw. m³ Gas, ohne Deckelung.
  • Anmeldung auf foerderplattform.ch zwingend VOR Kauf/Bestellung.
  • Kantonstarif immer auf leprogrammebatiments.ch prüfen.

Welche APS-Reflexe sichern die CO₂-Bilanz ab?

Die Kombination Brennstoff/Kessel bestimmt rund 80 % der Differenz zwischen den Szenarien. Wählen Sie sie, bevor Kesselraum und Silo festgelegt sind – das ist die Entscheidung mit dem grössten Hebel auf 20 Betriebsjahre.

Denken Sie auch die Logistik mit: ein richtig dimensioniertes Silo verhindert Versorgungsengpässe und sichert die reale Systemleistung.

  • Brennstoff in der APS-Matrix festlegen: ENplus-A1-Pellets als Standard, Hackschnitzel bei lokalem Netz, Scheitholz im Backup.
  • Siloplatz und Holzlager ab Vorprojekt einplanen (1 m³ ≈ 200 kg Pellets).
  • Pufferspeicher ≥ 20 l/kW, um Kurzzyklen zu vermeiden.
  • Zertifizierten Wärmezähler vorsehen: von Förderstellen oft verlangt, für die reale Bilanz unerlässlich.

Brauchen Sie persönliche Beratung?

Unser Team unterstützt Sie bei Auswahl, Dimensionierung und Förderantrag.